Culture

18-Juil-2018 Par

Viel Zeit für Kultur bleibt da nicht übrig?

Ein paar kritisch-ironische Gedanken über den Kulturkonsum der arbeitenden Bevölkerung.

Viel Zeit für Kultur bleibt da nicht übrig?

Ein paar kritisch-ironische Gedanken über den Kulturkonsum der arbeitenden Bevölkerung.

Geht man davon aus, dass der Mensch im Durchschnitt 8 Stunden schläft, 8 Stunden arbeitet, 2 Stunden täglich im Verkehrsstau verbringt, 2 Stunden zum Einkaufen, Kochen, Essen und Abwaschen braucht, dann bleiben ihm grosso modo nur noch 4 Stunden, um sich mit anderen Aktivitäten zu beschäftigen, wie z.B das Auto auf Hochglanz polieren oder mit dem Hund spazieren zu gehen.

Für kulturelle Aktivitäten bleibt da nicht mehr viel Zeit übrig, ausser man hat das Glück, Schüler(in), Student(in), Lehrer(in) oder Rentner(in) zu sein!

Hinzu kommt die Tatsache, dass die meisten Kunstmuseen bereits um 18 Uhr schliessen.

Tatsache ist auch, dass man sich, abends hundemüde nach Hause kommend, nichts mehr wünscht als sich von seinem Schatz, sei es Mann oder Frau, ein wenig verwöhnen zu lassen, zärtlich oder kulinarisch.

Nur richtige Idealisten schaffen es, danach noch ins Theater zu gehen, um sich ein avantgardistisch, tiefsinnig depressives Spektakel in Anzug anzusehen.

Vielleicht liegt die Ursache am schwindenden Kulturkonsum auch darin, dass viele Künstler nur Transferleistungen anbieten, nämlich vom Recyclingcenter bis in die Kunstgalerie (z.B bei der sogenannten Installationskunst).


Picasso konnte die Arbeiterklasse auch nicht begeistern !

Bei all diesen aufgezählten Voraussetzungen fällt es einem dann viel leichter, sich den neuesten Tatort im ARD Fernsehen anzusehen, es sei denn, man bevorzugt leichtere, erotischere Kost auf anderen, weniger kulturellen Fernsehkanälen.

Vielleicht sollte man es auch dabei belassen, Luxemburg international nur als Steuerparadies anzusehen und Steuerhinterziehung als Lebenskultur auffassen.

Gibt es in diesem Fall Hoffnung auf Veränderung?

Ja!

Vorerst müsste man die wöchentlichen Arbeitsstunden verkürzen, den öffentlichen Verkehr besser organisieren, damit man weniger Zeit in den Verkehrsstaus verliert. Dann wäre es von Vorteil, wenn man mehr via Internet einkaufen könnte. Damit würde man weniger Zeit im Supermarkt verbringen. Ein Dogwalker wäre ideal um beim Gassi gehen weitere Zeit einzusparen (schafft nebenbei auch noch Arbeitsplätze) .

Die Museen müssten bis 8 Uhr Abends geöffnet bleiben und Kunstwerke zeigen, die einen zum Staunen bringen und bei denen
man keinen Master in Philosophie bräuchte, um sie zu verstehen.

Oder noch einfacher. Man zeigt Kunst da, wo man arbeitet , in der Werkstatt, im Büro, im Einkaufszentrum oder im öffentlichen
Raum, in öffentlichen Verkehrsmitteln, da wo immer sich Menschenmassen bewegen.

Die Idee eines sogenannten « congé culturel » würde den Kulturkonsum auch wieder ankurbeln. Man wäre dann
vom Arbeitgeber freigestellt, um sich aktiv an kulturellen Projekten zu beteiligen (z.B als Laiendarsteller in einem Musical oder in einer Oper)

Digitalisierung und künstliche Intelligenz lässt uns schlussendlech am meisten hoffen. 8 Stunden pro Tag Vollkulturkonsum!

Hurra! Die Arbeiterklasse verschwinde. Es gibt nur noch Philantropen!

Es drohte unserem Lande so eine kleine kulturelle Revolution.

Ob Politiker dies bei den nächtsen Landeswahlen wohl auf ihre blauen, grünen, roten oder schwarzen Fahnen schreiben werden ?

Ein Wunder würde es geschehen!

Culture

20-Juin-2018 Par

Linke Kulturpoltik : Alles nur Schnee von gestern?

Kulturpolitik spielt im aktuellen Politzirkus eine eher marginale Rolle. Themen wie Flüchtlingskrise und Klimawandel dominieren die Tagespolitik.

Linke Kulturpoltik : Alles nur Schnee von gestern?

Kulturpolitik spielt im aktuellen Politzirkus eine eher marginale Rolle. Themen wie Flüchtlingskrise und Klimawandel dominieren die Tagespolitik.

Hauptursache ist die Tatsache, dass viele der Grundforderungen linker Kulturpolitik aus den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts realisiert wurden.

Der Wunsch « Kultur für alle » ist erfüllt. Hoch- und Massenkultur werden gleichberechtigt als Kunstform angesehen. Oper oder Musical, jeder kann frei wählen . Für alle Kulturmuffel gibt es heutzutage die Möglichkeit, von Zuhause aus Kulturelles zu erleben via Internet und Livestream.

Kultur ist demokratisch geworden. Es gab noch nie so viele kulturelle Angebote wie heutzu-tage. Man braucht nur einen Blick auf das « City Magazin » der Stadt Luxemburg zu werfen. Es besteht sogar die Gefahr eines Überangebotes. Da man nicht mehr weiss, was man aus- wählen soll, wählt man gar nichts mehr aus!

Der Kulturbegriff wurde erweitert. Keiner traut sich mehr, einen Unterschied zwischen Hochkultur, Alltagskultur oder alternativer Kultur zu machen. Kultur definiert sich heute durch ihre radikale Pluralität.

Kultur wurde dezentralisiert . In den meisten mittelgrossen Städten unseres Landes gibt es lokale, kulturelle Institutionen.

Kulturelle ästhetische Bildung wird grundlegend und flächendeckend angeboten. Vom Kindergarten über die Grundschule bis hin zu den Sekundarschulen. Workshops werden überall angeboten, um Kunst verständlicher zu machen. Wer Künstler(in) werden will, hat es heutzutage noch nie so leicht gehabt.

Trotz all dieser Tatsachen muss aber festgestellt werden, dass Kultur in den Augen der meisten Bürger eine untergeordnete Rolle spielt.

Immer weniger Bürger profitieren von den kulturellen Angeboten. Die Zahl der Museumsbesucher geht ständig zurück. Die Institutionen verlangen immer mehr Subventionen vom Staat. Private Kunstgalerien verschwinden nach und nach von der Bildfläche. Keiner kann sich mehr die teuren Mieten für Geschäfträume in den Städten leisten!

Aber vielleicht liegt es nicht allein am Willen der Zuschauer und Zuhörer. Die Ubersättigung und das Anbieten des Überallgleichen können auch Ursache dafür sein.

Vielleicht wurde in den letzten Jahrzehnten auch zuviel von der Kultur abverlangt. Politiker erhofften von ihr Unterstützung bei der Lösung vieler gesellschaftlicher Probleme, wie z.B Immigration, Integration, interkultureller Dialog , gesellschaftlicher Zusammenhalt, nationales Identitätsgefühl oder internationales Ansehen.

Vielleicht liegt es aber auch am Angebot seitens der Kunst selbst, dass Kultur zu einer Randerscheinung in unserer Gesellschaft geworden ist. Die Postmoderne mit ihren Forderungen nach Vielfältigkeit, Beliebigkeit und Gleichgültigkeit hat ihres dazu beigetragen. Die daraus resultierende Orientierungslosigkeit und Unbestimmtheit der Qualitätskritierien haben die Glaubwürdigkeit der Kunst in den Augen vieler Bürger definitiv in Frage gestellt !

Kann linke Kulturpolitik etwas an diesen Tatschen verändern ? Ob von links oder von rechts, Politik kann da wohl nicht allein die Probleme lösen!

Zuerst liegt es an der Kunst selbst ihr Publikum zurück zu gewinnen, nämlich durch qualitative, fantasievolle und grossartige Angebote (etwas das zum Beispiel Musicals oder Computerspiele anbieten). Dies würde die Einnahmen erhöhen und es gäbe wieder genügend Geld um Invesitionen zu tätigen.

Dann müsste Kultur nachfrageorientierter und mehr nach marktwirtschaftlichen Regeln organisiert werden. Was interessiert die Bürger? Welche Institutionen müssten abgebaut werden mangels Rentabilität ? Linke Kulturpolitker müssen diese bittere Pille schlucken.

Die Bürger müssten sich allerdings in Sachen Kultur auch mehr engagieren. Das fängt bereits bei der Organisation von lokalen, kulturellen Festen an bis hin zur Beteiligung von Amateuren und Laien an professionellen, kulturellen Darbietungen. (bei Film, Theater, Musicals…)

Kultur müsste sich wieder auf ihre Kerngeschäfte konzentrieren, nämlich auf Kunst und Kreation. Probleme wie die Integration sind in erster Linie Aufgabe eines Bildungs- oder Familienministeriums.

Kulturbrei muss verhindert werden, indem sich die einzelnen Kulturinstitutionen endlich wieder mehr differenzieren. Die Rotondes in Bonneweg und Neumünster im Stadtgrund dürfen nicht mehr dasselbe anbieten!

Um Kulturpolitik erfolgreich für die Zukunft zu gestalten, braucht es also unbedingt ein Umdenken seitens der Politiker aber auch seitens der Künstler und schlussendlich auch der Bürger selbst.

Liebe linke Kulturpoltiker, Ihr habt vieles in den vergangenen Jahrzehnten erreicht.

Dank sei euch. Aber heute brauchen wir keine neue kulturelle Revolution mehr !

Zukünftige Kulturpolitik muss wieder grosse Kunst, marktwirtschaftliche Organisation und bügerliches Engagement in den Mittelpunkt setzen , um nicht weiterhin ein Schatten- dasein zu fristen.

Culture

20-Juin-2018 Par

“Oh fréck”… trëfft et ganz gutt

Den Joseph Kayser huet virun kuerzem en Roman “Prinzessin Charlotte“ am Verlag Schortgen erausbruecht.

“Oh fréck”… trëfft et ganz gutt

Den Joseph Kayser huet virun kuerzem en Roman “Prinzessin Charlotte“ am Verlag Schortgen erausbruecht. “Prinzessin Charlotte“ ass säin éischt Wierk op Lëtzebuergesch, dat elo publizéiert gouf. Den Joseph Kayser huet awer schon Konschtbicher op franzéisch iwersad, en Dréibuch „Äiskal” geschriwwen an war och als Concepteur an IPLs Reklammen implizéiert. Als fräie Mataarbechter huet hien fir d’Lëtzebuerger Press geschriwwen a fotograféiert.

Joseph Kayser: Prinzessin Charlotte. 72 Säiten. ISBN 978-99959-36-40-2. 13,50 €.

Den Inhalt a kuerzen Wieder:
Mir sinn an den 70er Joeren zu Izeg. Den Fränz ass en jonke Kärel vun 13 Joer. Hien liewt mat senger Famill zesummen, mee hien well fort op Murmansk. Dess Idi gett fir hien am Laf vun engem Weekend emmer méi kloer. Fortlafen aus enger Famill, där hier schutzlos ausgeliwwert ass.

Claude Simon: Firwat hues du dest Buch geschriwwen?

Jos Kayser: Fir op en Ëmstand opmierksam ze maachen, dee mer ganz wichteg ginn ass, mat de Joren, mat den Erënnerungen, a mat der Reflektioun. Wa Saachen net ausgeschwat ginn, wann Deeler an der Biographie vun engem selwer feelen, oder vu Mënschen déi engem no stinn an déi eng wichteg Roll am Liewe gespillt hunn, dann denkt/erfënnt/fantaséiert e Kand sech déi Deeler zesummen, fir mat senger Realitéit, mat senger Wourecht eens ze ginn. Wann d’Buch derzou bäidréit, dass méi iwwert esou Saache geschwat gëtt, dass Episoden, och wann et wéi deet, erzielt ginn an domadder den Affer den Täter d’Méiglechkeet gi gëtt, dat ze artikuléieren an opzeschaffen, da wär ech e Stéck wäit zefridden. Natierlech hat d’Schreiwen fir mech och e gewëssen therapeuteschen Notzen.

Mäin Usproch ass net, iergend engem ze hëllefen, déi Zäit ze verstoen. D’Buch soll e Stéck Atmosphär erëmginn, wéi e puer Autoritéitspersounen en Duerf bestëmmt hun, wéi matt Angscht a (falschen?) Moralvirstellungen operéiert ginn ass, wéi nieft Psycho- och richtegen Terror als Erzéiungsmethod gesellschaftlech net nëmmen toleréiert war. Mä et war net iwwerall esou. Izeg war an dem Sënn “exemplaresch”.

Du liwwers eis kaum Elementer fir den Papp, den Haustyrann, ze verstoen, sou dat mir Lieser, esou wéi den Fränz, eis och net mat Verstoen géint hien wieren kennen? Ass den Gérard stellvertriedend fir all déi Männer aus den « kathoulesche Männerchéier », déi an eiser Jugend eis Welt, mee och den CSV Staat gepräägt hunn? An wou fannen mir se haut erëm?

No den éischte Reaktiounen ze uerteelen, gouf et zu Izeg (a vläicht och an aneren Dierfer) eng gréisser Konzentratioun vu dëse kathoulesch/fundamentalisteschen Erzéiungsmethoden. Et war legitim an et ass net hannerfrot ginn. De Papp war an dem Sënn e Mysterium a seng Reaktiounen waren net (ëmmer) nozevollzéien. Hannerfroen war scho guer net méiglech. Dat huet de Konflikt, an domadder automatesch d’Repressioun, em e Villfaches potenzéiert. D’Kierch huet iwwert déi Männer (a Fraen) ganz bestëmmt – an och bestëmmend – hir schützend Hand gehalen. Eng Szen: De Paschtouer huet an der Klass virun deenen aneren e Schoulkomerod gutt lassgezunn. Esou dass et Spuren hannerlooss huet. Duerno sot en zum Bouf: “An elo géi heem a so dengem Papp den Här Paschtouer hätt dech lassgezunn, da kriss de der vun him nach.”

Wou fanne mer se haut? Ech weess et net. Ech mengen d’Gesellschaft huet sech trotz allem an eng aner Richtung entwéckelt, an d’Kierch huet net méi déi dominant Roll an der Erzéiung. D’Paschtéier sinn anerer, an och d’SchoulmeeschterInnen. Et gëtt bestëmmt nach ëmmer Gewalt an de Famillen, mee et gëtt och méi Méiglechkeeten fir Kanner a Jugendlécher, fir no Hëllef ze sichen.

Wéiss du den Papp beschreiws, ass en muechtbesiess oder krank, oder choleresch oder mat engem Hang zum Sadisteschen oder verzweifelt, well eleng an net verstaan oder iwermoralesch oder rigid an sengen Gefiller oder en wellegen Deel vun engem System, den mat der Ennerdreckung vun den Gefiller vun den Eenzelnen Muecht ausgeübt huet? An den Papp kann ech villes eraninterpretéieren.

Ass de Papp cholerësch? Secher. Krank? Saddistësch? Oder widderhëllt en e Schema? War et vläicht esouguer mäi Bop, also mengem Papp säi Papp, dee sech um eegene Meedche vergaangen huet an domadder d’Tatta Lotty an d’Psychiatrie bruecht huet? Firwat sinn d’Bridder matt him op Ettelbreck gefuer, an net d’Elteren matt hirem Meedchen? Ok, ech stellen dir elo méi Froen, wéi ech dir Äntwerte liwweren. De System, deen d’Täter deckt, funktionnéiert nach ëmmer, besonnësch fatal wann de soziale Status héich ass. Firwat äntwere Leit mir nach haut: iwwert esou eppes schreift een net? Et spillt och Frustratioun matt. Mäi Papp hat en Handwierk geléiert, säi Brudder hat studéiert. Mäi Papp huet sech missten eropschaffen fir sech intelektuell Geltung ze verschafen. Wat schoulësch Leeschtungen ugoung, huet en enormen Drock ausgeübt. Sexuell Frustratioun? Kënnt nach vläicht derbäi.

An d’Mamm bleiwt ambigue bis zum Schluss: muckst net géint den Haustyrann, gëtt dem Fränz e Schockelasflan hannert dem Réck vun hirem Mann, opschonn hien sein Brokkoli net opgiess hat an léisst hier Duechter am Stach, déi vum Papp vergewaltegt gëtt?

D’Mamm bleift an hirer Roll ambigue, schwankt tëscht hire Rollen als Täter an als Afer Si ass materiell ofhängeg a gesäit sech – onverständlecherweis – net als Beschützerin vun hirem Meedchen, mee als Konkurrentin.
De Schockelasflan ass quasi hiert eenzegt Mëttel Affektioun ze weisen, an hire Mann ze hannergoen. A wann d’Owesklack laut, da biet se den “Engel des Herrn”. Dat ass deen, deen dem Maria d’Botschaft bruecht huet!

Och d’Mamm geet mir net aus dem Kapp, well si matverantwortlech ass, si weess wat richteg an falsch ass, vielleicht hofft si, wellentlech naïv, et giff d’nächst Kéier nett esou schlemm kommen , awer wat seed si sech selwer, der Frendin, wann si gleeweg ass, dem Herrgott oder dem Paschtouer. Hieren Eelsten schwetzt se dach bestemmt drop unn, wat entwert se?

D’Mamm – kënnt aus enger Gielemännchen-Famill, de Papp Eisebunner, nom Krich an d’Emerzéiungslager, d’Bomi (hir Mamm) ass forcéiert ginn an d’Stéit schaffen ze goen. Meng Mamm huet hire jengste Brudder doheem versuergt, keng Schoul gemaach, nom Krich geschuer an duerch d’Duerf gedriwwen, bis hannert d’Felder an an de Bësch … an dann? Déi Fraen ware wéi Freiwild, hunn den éischtbeschten „korekte“ Lëtzebuerger bestued, deen Intressi un hinnen hat. Sou, lo bau der e Liewen zesummen matt engem perverse Schwäin, looss alles iwwert der ergoen, hal de Bak, materiell ofhängeg, du muss Kanner kréien matt dem Typ, frou sinn wann en d’Kanner schléit, well da schléit en seng Fra wéinstens déi Zäit net. Keng Ulafstell à la femmes battues oder ähnleches, keng Frënn a.s.w. Mäi Papp huet konsequent nëmmen zu senger Säit Famill gehal, bei meng Mamm hir Säit si mer nëmmen op d’Begriefnësser gaang. Total passiv no baussen, hannen erëm huet se hir Roll gespillt. E Liewe laang krank, ëmmer nees Krieps, wéi wann de Kierper sech géint all déi Inkohärenzen géing wieren.

Virwat léisst du den Bruder optrieden, den jo eigentlech kaum an d’Geschehen agreift?

Op Kiermessonndeg ass ‘heile Welt’ gespillt ginn. Dat war esou en Dag, wou alles gemaach ginn ass, fir no bausse wéi eng Famill auszegesinn. Dozou huet da gehéiert, dass se alleguerten dobäi waren. Och den ‘abtrüniger Sohn’. Hie steet fir d’Méiglechkeet vumm Ausbriechen: aus der Famill, aus de Konventiounen, aus dem Wahn.

An den verlorenen Sohn, alles an mir seed mir, deen ass den zweeten Papp och wann en ett nach nett weess, den Moment spillt en Hahnenkampf, mee iergend wann stellt sech bei him d’Fro, op en gett wéi den Papp, net kathoulesch moralesch, mee dann an Bezug op iergend eppes aneschters. Du beschreiws en, wéi wann en säin klengen Brudder grad esou giff veruerchten, wéi säin Papp an dann och hien, werft d’Vergewaltegung net op, hien streit, mee op engem wéineger wichtegen Sujet. Wat seed hien zu sengen Kollegen? ass säin Papp en Verbriecher oder just en reaktionärt Schwein?

De Brudder – kämpft ganz secher matt engem Bild, deem Bild wat en all Kéier gesäit, wann en an de Spigel kuckt, wann en alles mecht fir sengem Alen net ze gläichen. E wëllt dominéieren, e wëllt dass et ëmmer sou leeft wéi hien wëllt, en huet d’Wourecht gepacht a vergësst näischt, keen deen ech kennen get eens matt him, en urteelt dag aus dag an. Wéi ech op d’Welt koum hat hien 11 Joer a mäi Papp huet sech net méi fir hien intresséiert. Meng Schwester hat dee Moment 4 Joer a war vernarrt an hire Papp. Lo kënne mer dem Freud säi grousst Buch opmaachen a wäerte feststellen, dass all déi fatal Mechanismen an eiser Famill gegraff hunn. An irgendwann war e fort! Ganz einfach. En huet eis an dem Sënn am Stach gelooss. Vläicht ass dat säi groussen Drama, deen e matt sech schleeft. Och nom Dout vum Papp war en net do, huet der Mamm Gefillskeelt virgeheit, nom Dout vum Tréis mech moralësch an emotional erpresst a mir virgeschriwwen, wéi ech mech ze verhalen hätt, wann ech en „normalt“ Brudder-Verhältnës matt him wéilt ënnerhalen. Et war seng grouss Flucht aus der Famill, déi en haut nees opsicht. Dat war eventuell dee Moment seng Rettung. Wann e bliwwe wär, wann e gehollef hätt, wär en eventuell matt drop gaang … Haut errënnert e mech ganz staark un déi autoritär Säit vu mengem Papp. Duerch den Altersënnerscheed bedengt, deen et deen deemols jo nach vill méi gespillt huet, kann ech der net soen, ob dat bei senge Kollegen thematiséiert gouff, op de politëschen Dissenz just e Viirwand war, fir doheem fortzekommen … reaktionär an erzreaktionär, dat waren seng Adjektiven deemols, an dat huet fir d’ganz Famill gegollt

Du konzentréiers all d’Aussernanersetzungen op ee Weekend, huet dest eng Ursaach an der Wierklechkeet oder fellt et ennert d’Freiheten vum Auteur?

Den zäitleche Kader ass de Weekend vu Kiermessonndeg 1976. Do kennt alles zesummen, wat a Wirklechkeet natiirlech e vill méi laange Prozess war. D’Evenementer vunn deem Weekend bestäerken dee jonke Protagonist a sengem Wëllen auszebriechen. D’Virgeschicht ass eng méi laang.

Jo, awer nach net genuch. D’Buch ass haut (fënnef Wochen no der Verëffentlechung), nach net zu Izeg ukomm. Dat kënnt nach. Ech si gespaant, wat et nach alles ausléist. Leider sinn ech net méi vill mat mengem Heemechtsduerf vernetzt, mee ech sinn op fir all Feedback, all Nofro an all Gespréich wat sech dorausser ergëtt. Mir géing et gutt gefalen eng Kéier zu Izeg virzeliesen.

Culture

26-Juin-2017 Par

«Summer of love 1967»

50 Jahre danach , wäre es nicht an der Zeit Kultur in Luxemburg wieder ein wenig mehr «undergroundmässiger» zu machen! Nämlich ein wenig mehr «hipster» also angesagter, so wie damals in den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts.

«Summer of love 1967»

50 Jahre danach , wäre es nicht an der Zeit Kultur in Luxemburg  wieder ein wenig mehr «undergroundmässiger» zu machen!

Nämlich ein wenig mehr «hipster» also angesagter, so wie damals in den 60ger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Also auch ein wenig mehr subversiver, so dass ein Rundgang durchs Museum nicht mehr, wie normalerweise, als gemütlicher ästhetischer Spaziergang mit einem Glas Sekt in  der Lobbybar endet.

Wäre es da  nicht besser man läde das Publikum einmal  in die dunklen Kellern der Museum ein, da wo in mystisch, esoterischer Atmosphäre neue junge antimainstreamhafte Künstler(innen) am fleissigen experimentieren sind.

Oder man gäbe ihnen die Gelegenheit  an den perfekt ausgestellten Werken herum- zudoktern, sie auf den Kopf zu hängen, à la Baselitz, sie farbig zu bemalen, um etwas spassvoll Optimistisches daeraus zu machen. Endlich Feierabend mit dem passiven Kunst und Kulkturkonsum. Zurück zur partizipativen Kultur. In anderen Worten : Kultur als Happening!

Improvisationskunst in den Mittelpunkt rücken ,vielleicht einmal die weissen, sterilen Museumswände besprayen, slammen und jammen.

Es wäre doch so schön wieder Künstler mit langen Haaren und Bärten zu begegnen oder Künstlerinnen mit Blumen in den Haaren, alle im langgewändigem Ökolook, versteht sich.

Künstlergurus mit denen das Publikum neue sinnliche Erfahrungen machen können und so ihren Körper neu entdecken. WOUAH !

Kunst um abzuschalten, den Alltag vergessen , den Moment geniessen, das Schöne in der Natur wieder entdecken. Ja das sollte die neue « Undergroundkultur » bewirken!

Sich vom Fetischismus der Moderne und vom Glauben dass nur moderne, abstrakte Kunst wahr und gut ist endlich wieder trennen können. Trennen vom Glauben an  den ewigen Fortschritt und an die  Überlegenheit der Logik, Rationalität und Systematik.

Uberhaupt wäre es gut man lässe die Leute in den Museen übernachten und man würde das Happening dann ganz im Sinne der Hippiebewegung » Museum of love 2017 » benennen. Ich bin überzeugt dass dann auch Kulturminister Xavier Bettel mitmachen würde. Kulinarisch dürfte  dann nur vegetarischs oder veganes Essen auf den Tisch kommen. Ein wenig Marihuana zum Nachtisch. «What a wonderful day» !

Uber dem Eingang der Museen müsste dann in grossen, nachts leuchtenden Neon- buchstaben geschrieben stehen:  «Don’t worry be happy»

Und jetzt die überraschende Neuigkeit!

Eine solche neue «Underground-Kultur «wächst nicht unweit der Schienen unserer nationalen Eisenbahngesellschft CFL heimlich und langsam auf. Nämlich auf dem Gelände der Rotondes in Bonneweg.

Ein idealer Platz weil jung, lebendig und multikulturell. Ein Ort der zum gestalten und experimentieren einlädt. Nicht nur für den Typus «Artistikus» sondern auch für den normalen Kunstbanausen, egal ob jung oder alt.

Genauer gesagt bietet ihr Programm, für die Saison 2017-2018 in den sogenannten LABOS subkulturelle Ausdrucksmöglichkeiten an. Diese LABOS versuchen  nämlich das Publikum wieder aktiver am kreativen Prozess teilnehmen zu lassen und dies sogar intergenerationell. (Eltern und Kinder zusammen).Zur Illustration dazu ein paar Beispiele:

Da gibt es LABOS in denen Amateure zusammen improvisieren, entdecken, erfinden, proben und selber eigene Geschichten inszenieren können oder durch Tanz und Musik ihre Sinne öffnen. Kleinkinder  können Musik mit allen Sinnen erfahren als Alternative  zum klassischen Musikunterricht.

Im LABO «Moolt ons een…» können Eltern mit ihren Kindern zusammen ihre kreativen künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellen.In weiteren Workshops können die  Teilnehmer auf dem Gelände gemeinsam verschiedene Theater und Zirkustechniken ausprobieren und danach auf dem Gelände übernachten. Ein wahrer Hauch von Hippiekultur ist hier zu verspüren!

Interessanterweise  gibt es auch LABOS die helfen sollen Schüler(innen) aktiver in das kulturelle Geschehen einzubinden, eigene Bühnenkreationen zu kreieren und vorzustellen. Spielerische, interaktive Aktivitäten  ermöglichen so den Jugendlichen sich schon in frühen Jahren für Kultur zu interessieren. Sehr gut!

Kunst muss allgemein gesehen also wieder mehr  zum Happening werden!

Deshalb zum Abschluss eIn Appel  an alle kulturell Verantwortlichen, Kuratoren(innen) oder andere Kunstfunktionäre:

Nicht «make America great again» und auch nicht «make our planet great again» sondern «make art happen again»!

(PS:In SInne der Hippiebewegung, für die Arbeit kein Spass macht, ist dieser Artikel diesmal relativ kurz gehalten. Aber auch durch die hohen Temperaturen der letzten Tage bedingt)

Culture

29-Mai-2017 Par

Deutschland Fussballweltmeister und jetzt auch noch Kulturweltmeister!

Warum Luxemburg gegen Deutschland auf der Bienale in Venedig verloren hat?

Deutschland Fussballweltmeister und jetzt auch noch Kulturweltmeister!

Dass Deutschland 2014 in Brasilien gerechterweise Fussballweltmeister wurde, muss man neidlos anerkennen. Die Frage, wird es dem luxemburgischen Fussball (auch mit neuem Stadium) jemals gelingen Deutschland diesen Titel streitig zu machen, kann man eindeutig mit «nein» beantworten.

Also 1 zu 0 für Deutschland.

In Punkto Kultur sind sie nun auch ganz oben angekommen. Zuerst mit dem Thema «Deutsche Leitkultur». In dem entspechenden Papier von Thomas de Mazière heisst es: «Wir sind Kulturnation». Deutschland hat grossen Einfluss auf die kulturelle Entwicklung der ganzen Welt. Bach und Goethe gehören der ganzen Welt und waren Deutsche… OK, bei diesen beiden Genies können wir mit unserem Lentz und Dicks leider nicht angeben.

Also 2 zu 0 für Deutschland.

Kommen wir nun aber zum eigentlichen Thema der Bienale 2017 in Venedig und stellen uns die Frage warum Deutschland die 2 goldenen Löwen mit nach Hause genommen hat.

Auf der Basis welcher Kriterien wurde diese Entscheidung genommen?

Sie wurden von der Kuratorin Christine Macel definiert nach dem Motto « Viva Arte Viva » dh. «Hoch lebe die lebendige Kunst.»

«Performance» Kunst wurde privilegiert, also handlungsbezogene, vergängliche künstlerische Darbietungen von Performern oder Performergruppen. Sie hinterfragt die Trennbarkeit von Künstler und Werk sowie die Warenform traditioneller Kunstwerke. Der/die Künstler(in) ist oft selbst Teil des Kunstwerkes während die Zuschauer selbst nicht aktiv involviert werden wie es im sogenannten «Happening» der Fall ist. «Performance» Kunst gibt es allerdings bereits seit den 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts. Ziel dieser «Performances» sollte sein, die Zuschauer in utopische Traumwelten zu versetzen um einen Augenblick die Zeit globaler Unordnung und Unsicherheit zu vergessen.

Mike Bourscheid (im luxemburgischen Pavillon der Ca’del Duca) hat versucht diese Kriterien zu erfüllen. Seine einstündige «performance» hatte den Titel «Thank you so muc » (Villmols merci) und bestand darin dass die Besucher Blumen in eine Vase stecken konnten die der Künstler auf dem Kopf getragen hat. Je mehr Blumen in der Vase waren, je höher das Gewicht und die Last sie zu tragen. In den weiteren 4 Zimmern des Austellungsortes präsentierte der Künstler surreale, selbstgefertigte Objekte aus Leder und «fer forgé», Symbiosen zwischen Kleidungsstück und Fetischgegenstand. «Gender» Thematik und Kampf gegen kulturelle Klischees sollten dem Ganzen ein wenig Inhalt verleihen.

Anne Imhof (im deutschen Pavillon) präsentierte dem Publikum eine 5 stündige Performance mit dem Titel «Faust». In dem von den Nazis erbautem Gebäude, wurde der Zuschauer draussen zuerst von bellenden Dobermännern und von uniformierten Wachleuten in Empfang genommen. Im Innern des Gebäudes agierten schwarz gekleidete Performer in Addidas Turnschuhen, unter einem Glasboden sowie auf verschiedenen Ebenen des Innern. Sie bewegten sich im Zeitlupentempo und sangen zu « techno-religiöser » Musik. Die ganze Choreographie wurde über I-phone von der Künstlerin, die selber im Raum präsent war, koordiniert. Raum für Improvisationen waren dabei aber auch erlaubt. Die Zuschauer waren ausgeschlossen, teilweise durch Zäune und teilweise durch Panzerglas.

Die Künstlerin, eine ehemalige Türvorsteherin im Frankfurter Rotlichtmilieu, versuchte sich hier mit dem Thema « Faschismus » auseinander zu setzen. Das erschien logisch. Weil der Ort der Performance selbst einst ein ehemaliger nationalsozialistischer Kunsttempel war. So gelang es ihr das « Faschistoïde » sehr gut in Szene zu setzen. Ordnung, Klarheit, Strenge und die kalte Brutalilät der Architektur einerseits, Psychoterror durch die Präsenz von Wachmännern, Spürhunden und die sektenhafte Akteure andererseits. Das Dirigieren der Akteure von oben, der Verlust ihrer Individualität, die Ausgrenzung derjeningen die nicht mitmachen…dokumentierte auf eindrucksvolle Art und Weise was jeden Bürger erwartet, der ein solches Regime von «law and order» befürwortet.

Anne Imhof gelang ausserdem sehr gut das Böse ästhetisch zum Ausdruck zu bringen. Was in der Realität deutlich noch perfider und gefährlicher ist. In diesem Fall sind es die Performer in ihrem schicken Adidas Sportdress, die schöne, atonale Musik und die Akteure in ihrem meditativem Rauschmodus.

Natürlich ist diese Performance topaktuell nähmlich das Wiedererwachen des Rechtsextremismus in Deutschland und in Europa. Der Titel der Performance ist gut gewählt. Faust ist natürlich eine Allusion auf Goethe’s Werk , aber auch auf die körperliche Faust eines Massenmörders namens Anders Breiwick.

Warum ist der deutsche Beitrag nun besser als der Luxemburgische ?

Nun, beide erfüllen die Auswahlkriterien, jedoch erscheint der deutsche Beitrag viel radikaler. Und Kunst sollte grundsätzlich radikal sein. Das betonte bereits im letzen Jahrhundert ein weltbekannter Künstler namens Salvador Dali.

Der luxemburgische Beitrag wirkt im Vergleich dazu zu harmlos und « political correct », eben typisch Luxemburgisch.

Der deutsche Beitrag betrifft den Zuschauer emotional viel stärker, er verlangt von ihm mehr Ausdauer, physich und psychisch gesehen, er involviert ihn mehr, er fordert ihn auf zum Nachdenken und zum Handeln. Der Beitrag des luxemburgischen Künstlers erzeugt nur Staunen über einen etwas exentrischen Zeitgenossen und das war’s dann schon.

Das Thema des deutschen Beitrags betrifft viele. Es ist ein akut gesellschaftliches Thema. Mike Bourscheids Kunst ist zu individualistisch und intimistisch. Er beschäftigt sich zu sehr mit sich selbst, denkt nicht genug an die Gesellschaft in der er schlussendlich lebt. Themen wie die des « Genders » sind nicht so aktuell und allzu deutlich und radikal zum Ausdruck gebracht worden. Eine allzu narzistische Kunst konnte noch nie eine grosse Öffentlichkeit begeistern.

Der deutschen Künstlerin gelang es schlussendlich besser den Austellungsort selbst in die ganze Inszenierung mit ein zu beziehen. Ein Gesamtkunstwerk mit viel Ästhetik und politischer Brisanz wurde so auf gerechte Weise mit dem «Goldenen Löwen» belohnt. Ohne neidisch zu sein , muss man der deutschen Künstlerin und ihrem Pavillon wohl auch diesmal den Sieg gönnen und den Titel der diesjährigen Ausgabe dementsprechend umändern. Nämlich in «Viva Germania Viva»!

3-0 für Deutschland.

Bravissimo!!! (MAPK)

Quellen:
ARD Mediathek: TTT Anne Imhof Deutscher Pavillon
ZDF Kultur Aspekte Heute Journal 13-05 2017
Frankfurter Neue Presse :Der Pavillon wird zum Zwinger
ART Mai 2017 Bienale Venedig (Mai 2017)
Zeit Online :Wir sind nicht Burka 20.05.2017
Artikel zum Thema im Tageblatt, Journal, Luxemburger Wort…

Culture

04-Avr-2017 Par

Die Jugend manifestiert, die Politik boykottiert !

So geschehen beim Vernissage der Ausstellung XPOE in den Rotondes, Luxemburg, wo sich der kreative Nachwuchs unseres Landes traf, um seine Präsenz und Bedeutung in unserer Gesellschaft zu verdeutlichen.

Die Jugend manifestiert, die Politik boykottiert !

So geschehen beim Vernissage der Ausstellung XPOE in den Rotondes, Luxemburg,  wo sich der kreative Nachwuchs unseres Landes traf, um seine Präsenz und  Bedeutung in unserer Gesellschaft zu verdeutlichen.

Wer annimmt, dass die Jugend von heute nur noch konsumorientiert ist  und sich nur  noch mit den sogenannten « Likes » auf Facebook  äußern kann, der wurde beim Besuch dieser Ausstellung Gott sei Dank eines Besseren belehrt.

Dass sich hier gut 500 Jugendliche auf den Weg gemacht hatten um bei der  Vernissage  teilzunehmen  ist schon an sich außergewöhnlich.

Zu sehen bekam man Arbeiten von all den Schülern und Schülerinnen, die im Augenblick auf  einer Kunstsektion in einem luxemburgischen Gymnasium ihre Ausbildung machen.

Eine gut geplante und gut koordinierte Zusammenarbeit zwischen den Kunstlehrern(innen), unter der Leitung von André Michaux,  und den verantwortlichen Organisatoren ergab trotz der zahlreichen  Werke eine übersichtliche und gut strukturierte Ausstellung.

Die Schülerarbeiten wurden in  4 fächerbezogenen Thematiken zusammengefügt.

(a) Die Architektur  des Gymnasiums und seine  Identität , (b) die visuelle Identität der Kunstsektion, (c) von der Linie bis zum fertigen Produkt , (d) die Aktualisierung eines Kunstwerkes von einem bekannten luxemburgischen Künstler. Es sind dies interessante Thematiken die über das Übliche im Kunstunterricht hinausgehen.

Zwischen den mehr als 500  kleinformatigen Arbeiten (bedingt durch den leider etwas begrenzten  Ausstellungsraum) fallen einem besonders die großformatigen Arbeiten auf.

Dies sind  großflächige, farbige Plakate die für die « visuelle Identität der E-Sektion » werben sowie die ebenfalls großflächigen Fotografien, die auf eine dynamische Art und Weise  « Werke  bekannter luxemburgischer Künstler neu interpretieren », wie z.B die von Michel Majerus oder von Foni Tissen , ein ehemaliger Kunstlehrer im Escher Lycée de Garçons.

Die Bleistiftzeichnungen mit dem Thema « Schularchitektur und Identität » vermitteln den Eindruck, dass die Atmosphäre in den meisten Schulen doch eher von grauem Beton geprägt ist, und  dass man sich darin als Schüler(in) etwas befremdend vorkommen muss.

Die Arbeiten zum Thema « Von der Linie bis zum fertigen Produkt »geben  dem außenstehenden Beobachter die Gelegenheit zu sehen, dass hier dem Schüler(in) ein systematisches Vorgehen abverlangt wird. Zuerst die Idee, dann eine Reihe von Skizzen, dann die richtige Auswahl der Idee und  das konsequente Weiterarbeiten  bis hin  zum realen, dreidimensionalen Designgegenstand.

Die Vielfalt der Ideen, Techniken (von der einfachen Zeichnung bis hin zum bedruckten T-Shirt) überrascht den Zuschauer sehr. Sie zeigt auch, dass man Kunst erlernen muss, dass man sich Techniken erarbeiten muss und dass Kunstunterricht nicht nur aus basteln und malen besteht.

Man muss den verantwortlichen Kunstlehrern(innen) eine großen Lob aussprechen. Mit viel  Einsatz und Idealismus vermitteln sie  den Schülern das notwendige, technische und kunsthistorische Wissen, um so zu den hier gezeigten  ansprechenden Resultaten zu kommen.

Neben den reinen künstlerischen Inhalten, geht es aber auch hier um soziale Inhalte. So z.B. das sich Gedanken machen wie man das Zusammenleben der «school community »  verbessern kann. (Neue Sitzgelegenheiten im Schulhof, Mülltrennung usw.).

Es geht für die betroffenen Schüler und Schülerinnen auch um unvergessliche  Schulerfahrungen. Denn jeder von uns weiß, dass solche Erfahrungen (wie z.B. auch kulturelle Schulreisen) nach Abschluss der Schule immer in  Erinnerung bleiben werden.

Einige spontane Umfragen bei den jugendlichen Besuchern verdeutlichen, dass diese Erfahrung sehr positiv aufgenommen wurde und der Wunsch nach « Mehr » zum Ausdruck gebracht wurde.

So wurde die Zusammenarbeit mit außerschulischen Akteuren, wie dem Szenographen Raoul Gross, mit professionellen Fotografen oder die Begegnung mit dem Künstler Roland Schauls als sehr positiv auf -genommen.

Dem Wunsch auf eine neue Ausgabe von EXPOE wird Rechnung getragen. Der zuständige Organisator Marc Scozzai kündigte an dieser Stelle an, dasselbe in Form einer sogenannten « Trienale » fortzuführen.

Aber die Schüler verlangen mehr. Deshalb wäre es Zeit darüber nachzudenken, ob ihnen nicht ein permanenter Ausstellungsraum in Luxemburg Stadt zur Verfügung gestellt werden könnte, abwecklungsweise immer unter der Regie eines anderen Gymnasiums.

Doch die zuständigen Politiker und Gemeinderäte der Stadt sind anscheinend daran nicht oder noch nicht interessiert. Nur der Druck der Strasse (siehe den Fall « Jumbokaart ») könnte in  diesem Falle etwas in Bewegung setzen.

Dass sich bei der Vernissage auch hier kein Politiker blicken gelassen hat, obwohl immer von « Kreativität und die Jugend ist die Zukunft unseres Landes » geredet wird, ist kennzeichnend für ihre Mentalität.

Kunst und Kreativität ist für sie noch immer leider   eine eher nebensächliche Freizeitbeschäftigung.

 

LA MATERNITE SUISSE D’ELNE, un berceau d’humanité au cœur de l’inhumain

S’il y a 20 ans l’on m’avait demandé de raconter quelque chose sur la maternité d’Elne, je n’aurais pas su. Impossibilité qui n’aurait pas été liée exclusivement à mon ignorance, mais surtout au manque d’information sur cette formidable aventure de solidarité et de lumière.

LA MATERNITE SUISSE D’ELNE, un berceau d’humanité au cœur de l’inhumain

S’il y a 20 ans l’on m’avait demandé de raconter quelque chose sur la maternité d’Elne, je n’aurais pas su. Impossibilité qui n’aurait pas été liée exclusivement à mon ignorance, mais surtout au manque d’information sur cette formidable aventure de solidarité et de lumière.

Voici encore un chapitre de l’histoire qui est resté méconnu, voire ignoré pendant presque un demi-siècle.

A la base, une femme, Elisabeth Eidenbenz, née à Wila (Suisse) en juin 1913. Institutrice de formation, elle répondit à l’appel de l’Aide Suisse aux Enfants d’aller en Espagne. C’était l’année 1937 et la guerre sévissait la population civile dont tout particulièrement les enfants et les femmes. Elle mit en place des cantines, à Valencia d’abord et ensuite à Madrid. Elle suivit les presque 500000 personnes qui, après la chute de Barcelone, traversèrent les Pyrénées, dans cette tragédie dénommée La Retirada.

Le calvaire continua après l’arrivée sur le territoire français. Accueillies sous la pluie, le froid et la neige, ces centaines de milliers de personnes furent conduites dans des camps de concentration improvisés, situés en Cerdagne, dans le Vallespir et sur la côte. Les dénommés “camps sur la plage” (Argelès-sur-Mer, Barcarès, Gurs, Saint-Cyprien, Rivesaltes…) étaient de vastes surfaces de sable entourées par des barbelés et avec la mer pour horizon. Sans être dans la moindre mesure assurées les conditions d’habitabilité, l’entassement et l’insalubrité ne tardèrent pas à avoir leurs effets sur les hommes, les femmes et les enfants qui y étaient internés.

La situation sanitaire était particulièrement dramatique pour les femmes sur le point d’accoucher. Les hôpitaux et les cliniques refusaient de les accueillir et le taux de mortalité à la naissance y était alors proche du 100 %.

Elisabeth Eidenbenz, qui était rentrée en Suisse, décida de retourner dans le midi français, pour aider les femmes et les enfants.

« Un fragile havre de vie dans un paysage de mort »

Dans un bâtiment qui autrefois était une usine, le château d’en Bardou, dans la petite ville d’Elne, à côté de Perpignan, elle mit en place une maternité. Entre décembre 1939 et avril 1944, Elisabeth Eidenbenz et son équipe ont permis la naissance de plus de 600 enfants, dont les mères étaient d’abord des femmes espagnoles réfugiées et plus tard, à partir de 1941, également des femmes juives et tsiganes. Sorties par Elisabeth Eidenbenz des camps, les femmes étaient soignées avec dévouement et affection pendant les derniers mois de leur grossesse, afin de leur permettre de faire naître leurs enfants dans les meilleures conditions possibles. Dans la Maternité il y avait des infirmières suisses et des aides-soignantes, parfois recrutées parmi les réfugiées, puis formées.

« Nous accueillons les femmes de n ‘importe quelle nationalité. La misère n’a pas de patrie, ni le malheur ».

Vu les conditions d’insalubrité et de détresse dans lesquelles les femmes se trouvaient, il va de soi que, sans l’intervention d’Elisabeth Eidenbenz et son équipe, la plupart d’entre elles aurait péri dans l’accouchement. Cette poignée de volontaires a donc aussi sauvé les mères et leur a assuré également la possibilité d’allaiter les nouveau-nés, en leur permettant de se nourrir correctement et de se remettre suite à l’accouchement. Les enfants en bas-âge ont été aussi pris en charge dans la Maternité.

Temps d’exil et de solidarité

Comme le dit Frédéric Goldbronn, « au milieu de la barbarie qui se déchaînait alors sur l’Europe, la maternité d’Elne fut un îlot de paix, un fragile havre de vie dans un paysage de mort. Jusqu’à ce jour de Pâques 1944, où des officiers allemands réquisitionnèrent le château et fermèrent la maternité. »

Si le contexte historique actuel n’est plus celui de la fin de la guerre d’Espagne et de la deuxième Guerre Mondiale, il n’est pas moins vrai que, en regardant des images des camps « sur la plage », nous y retrouvons les mêmes éléments que dans celles de nos jours. En montrant l’exposition à la Maternité du CHEM, nous avons donc voulu signaler les dégâts et les conséquences de la guerre et de la violence, avec un volet historique et un volet lié à l’actualité. De même, nous avons voulu rendre hommage aux personnes qui s’engagent dans la défense et la protection des plus démunis et rappeler le besoin de solidarité et d’entraide. Car, si dans toutes les époques de l’histoire des injustices sont commises, dans toutes les époques de l’histoire il est possible d’agir pour restituer aux êtres humains la droit à une vie digne de ce nom.

Rappel du besoin de solidarité et de l’entraide

En 2002, au même endroit où elle a accompli son immense travail, Elisabeth Eidenbenz a reçu la médaille des justes des nations. C’est la même année de la sortie du film de Frédéric Goldbronn « La maternité d’Elne », que nous verrons le 6 avril à 19h30 au Kinosch (Kulturfabrik), en présence de son réalisateur. Voici quelques extraits de la lettre qu’Elisabeth Eidenbenz lui a adressée, après en avoir reçu la cassette :

« Cela a été merveilleux de revoir notre vieille maison dans laquelle nous avons vécu tant de choses, et surtout les gens qui l’ont autrefois fait vivre.

Je reçois très souvent des lettres et des appels téléphoniques d’anciens enfants qui ont vu le film et qui aimeraient en savoir davantage sur moi. Je n’aurais jamais cru pouvoir avoir encore une fois, après soixante ans, un rapport avec ces gens qui un jour ont été essentiels dans ma vie.

Ces rencontres m’accompagnent désormais comme une douce lumière au fil de mes dernières années à vivre et je vous remercie de tout cœur pour cela. »

Laissons à Frédéric Goldbronn les mots de la fin, en attendant le moment de le rencontrer personnellement à Esch : « […] ce ne sont pas seulement des enfants qui ont été sauvés à la maternité suisse d’Elne, mais aussi une certaine idée de l’humanité. En permettant à ces enfants de naître et de survivre à l’écart des camps, cette maternité a permis aussi à l’humanité de renaître symboliquement à travers eux. Ces enfants, qui ont aujourd’hui atteint l’âge des bilans, sont les produits et les porteurs de cette humanité, ils en sont les dépositaires. D’où viennent-ils ? Qu’ont-ils fait de cet héritage ? Quel est le fil qui les relie ? Quels sont les contours, intellectuels et sensibles, de cet échantillon d’humanité ? Telles sont les questions auxquelles ce film entend chercher une réponse. »

L’exposition restera ouverte jusqu’au 16 avril, au couloir de la maternité du CHEM (Esch-sur-Alzette).

Rendez-vous au Kinosch : http://kulturfabrik.lu/en/program/details/event/la-maternite-delne/

Culture

21-Mar-2017 Par

Das Essen ist lecker, die Kunst ist fad!

Wenn sich Kunst selber auf den Arm nimmt, darf man sich dann als Kritiker erlauben ironische Kommentare über die Kunst zu machen? (Eine nicht so ernst gemeinte Kunstkritik in der « post-närrischen » Jahreszeit.)

Das Essen ist lecker, die Kunst ist fad!

Wenn sich Kunst selber auf den Arm nimmt, darf man sich dann als Kritiker erlauben ironische Kommentare über die Kunst zu machen?

(Eine nicht so ernst gemeinte Kunstkritik in der « post-närrischen » Jahreszeit.)

Jedem treuen Besucher des Casinos, in Luxemburg Stadt, wird wohl auch die Tendenz aufgefallen sein, dass die eigentliche Austellungfläche für zeitgenössische Kunst in regelmässigen  Zeitabständen reduziert wurde, zugunsten einer grösseren Fläche für sogenannte « restaurative » Zwecke : Bar und  Restaurant.

 Frage :Ist es einfacher das Essen zu verdauen anstatt die Kunst?

Die Antwort lautet eindeutig : JA!

Den Beweis  dafür liefert z.B eine kürzlich bei Schülerinnen  einer 1re E (LGL) gemachten Umfrage. »Welche Kunstmuseen  der Stadt Luxemburg sind dir bekannt ? »

Nur eine Schülerin von 25 bennante dabei das oben genannte Casino.

Eine Nachfrage an die Lehrer(innen) warum das denn so sei, ergab  eine klare Antwort :

« wir gehen schon lange nicht mehr mit Schulklassen ins Casino, weil die dort gezeigte Kunst, Schüler und Schülerinnen weit überfordert und weil man oft selber als Lehrer seine Mühe hat die ausgestellten Werke intellektuel zu verdauen.

Eines steht  fest. Gehen mehr Leute ins Museumscafé  als ins Museum selbst,dann ist das Essen eben besser als die Kunst!

Im Informationsflyer  zur Austellung « La commedia dell’arte :Kunst als Maskerade » wird dem Besucher folgendes vorgeschlagen :«possibilité de dîner au ca(fé)sino suite à la visite ». Wäre es hier nicht realistischer gewesen zu schreiben : » Possibilité de dîner au caf(é)sino sans aucune visite! »

Frage :Kann man schwer verdauliche Kunst besser in einem komfortablen Sessel geniessen?

JA!

Der Besuch der Austellung » La Commedia dell’Arte :Kunst als Maskerade », die zufällig gut in eine postnärrische Jahreszeit passt, da in diesem volkstümlichen Theater alle Schau-spieler Masken tragen, verlangt eine  bessere Sitzgelegenheit. Und die hat man hier leider nicht. Man muss nähmlich ungefähr 60 Minuten auf einem unbequemen Hocker ausharren, um sich die vier Videoarbeiten von Alexander Glandien, Loïc Vanderstichelen , Jean-Paul Jacquet  und Clara Thomine anzuschauen.

Die Sitzgelegenheiten in der Bar sind viel bequemer  als jene in der sogenannten Blackbox. Nach einer Stunde  nicht gerade spannender Visionierung der 4 Videoarbeiten, spürt man doch Schmerzen im  unteren Rückenbereich. Ist das bewusst so gewollt, damit man sich nachher erleichtert in einem der komfortablen  Designersesseln der Bar des sogenannten « Aquariums » nierderlassen kann um ein Glas Champagner zu geniessen ?

Frage :Ist Kunst bewusst oft so komplex dass man sich als Zuschauer dumm vorkommt und sich nachher den Katalog kaufen muss um zu verstehen was der Künstler uns  im Grunde mitteilen wollte?

Auch hier  lautet die Antwort : JA!

Es gibt  zu dieser Austellung kein Buch aber ein kleines Faltblatt auf dem man nachlesen kann , dass die Videoarbeiten sich alle  auf ironische Art und Weise mit dem Thema « the making of » von Kunst befassen.

Dass Kunst oft  als Thema die Kunst selbst sein kann ist wohl nicht ganz neu. Die so-gennante Konzeptkunst der 70ger Jahren des letzten Jahrhunderts befasste sich bereits ausgiebig mit diesem Thema. Der Begriff « Tautologie » wurde in die Kunstwelt eingeführt. Nur wird das, im Falle dieser Austellung,  nicht so intellektuell präsentiert, sondern eher mit einem humorvollem Unterton.

In diesen Videos geht es z.B um Preisverleihungen, ein wichtiger Bestandteil der Kunstszene die sich immer  gerne selber feiert. (« Popcorn » von Clara Thomine).Es geht  um Kunst ohne echte Konfrontation (« La nature » von Clara Thomine) und um  die Vorbereitungen einer Austellung  (« Making of », Alexander Glandien), die der Künstler für seine eigene Austellung verfilmte.In « La Cascade »  von Loic Vanderstichelen wird sich über einen Kunstexperten  lustig gemacht , der beauftragt wurde die Inventur der Sammlerstücke eines Museums zu machen, das vergrössert werden soll. Bei allen Videos werden stereotype Diskurse und Kommentare über Kunst karikaturiert.

Welch ein Genuss um  einmal volkstümlicher über moderne, zeitgenössische Kunst  reden zu dürfen.

Zum Abschluss darauf ein dreifach donnerndes Hellau ! Hellau ! Hellau !

Culture

03-Mar-2017 Par

Die E-Sektion ist ein junger Damenclub, die moderne Kunst ein alter Herrenclub!

Warum ist die E-Sektion in luxemburgischen Gymnasien nicht attraktiv genug für Schüler?

Die E-Sektion ist ein junger Damenclub, die moderne Kunst ein alter Herrenclub!

Warum ist die  E-Sektion in luxemburgischen Gymnasien nicht attraktiv genug für Schüler?

Seit der Gründung der E-Sektion vor gut 40 Jahren, scheint die Zahl der Schüler stetig zurück gegangen zu sein. Im Jahre 2017 kann man davon ausgehen, dass auf den meisten Kunstsektionen in unserem Lande  95% Schülerinnen und nur 5% Schüler eingeschrieben sind!

Diese Diskrepanz ist nicht gut für das Arbeitsklima in der Klasse selbst  und schränkt die Lehrer bei der Suche nach geeigneten Thematiken auch eher ein.

Wie ist das zu erklären ?

Nun nach eigenen Aussagen der betroffenen Schülerinnen selbst, wird  Schülern oft abgeraten sich für diese Sektion zu entscheiden.

Zu einem seitens der Eltern, weil viele von ihnen noch immer befürchten, dass man mit einem Diplom der E-Sektion später keinen guten Job finden würde.

Zum anderen aber auch seitens der Lehrerschaft selbst, was beweist dass das Fach Kunst noch immer seitens vieler « Kollegen und Kolleginnen » diskriminiert wird.

Die Schüler werden aber oft auch von ihren eigenen Mitschülern gehänselt, wenn sie ihr Interesse für diese Sektion offen zutage legen. Mit Argumenten « da wird ja nur ein wenig gepinselt », werden dann viele Schüler demotiviert, die an sich aber das nötige Talent besäßen um die Sektion erfolgreich ab- schließen zu können.

Das Argument, diese Sektion biete zu wenig  handwerkliches, technisches und digitales und schrecke daher manch einen Schüler ab, ist sicherlich richtig. Hier müssten sich die verantwortlichen Lehrer mehr Gedanken machen und eine Änderung der Programme vornehmen. Kunst ist ja längst auch schon im digitalen Zeitalter angekommen!

Im Interview wurde von den Schülerinnen noch ein weiteres Argument gebracht. Die Sektion sei nicht männlich genug. Es würde zu viel Wert auf den Ausdruck von Emotionen gelegt , auf Imagination und Intuition.

95% Mädchen und 5% Jungen auf Kunstsektionen  ist eine Tatsache, doch  in der realen Kunstwelt ist es ganz genau umgekehrt!  Sie wird bestimmt von 95% Künstlern und 5% Künstlerinnen.

Der amerikanische Kunstkritiker Jerry Saltz wunderte sich schon 2007 dass im MOMA (NY) nur 5-8 % Frauen ausstellen durften. 2010 gab es bei der Schau « Abstract Expressionism  at the Museum of Modern Art » von 105 ausgestellten Werken nur 5 die von Frauen realisiert wurden. Die Bilderkollektion des Metropolitain Museum (NY) besteht zu 95 % aus Bildern von Künstlern und nur zu 5% aus Bildern von Künstlerinnen !

Retrospektiven von Künstlerinnen sind daher auch eher selten. 2016 zeigte  das MOMA (NY) nur eine Retrospektive von einer Künstlerin. International bekannte Galerien stellen im Durchschnitt nur 10% Frauen aus. Und auch in den bekannten Kunstmagazinen sind  Künstlerinnen immer noch stark unter- repräsentiert. Arbeiten von Künstlerinnen werden preislich auch noch immer unterbewertet. Bis heute hat noch kein Werk einer Künstlerin die Millionengrenze überschritten.

Warum ist das so ?

Die klassische Antwort lautet :  Bildende Kunst  war während Jahrtausenden immer eine reine Männerdomäne gewesen. Sie war immer männlich da sie meist mit der Idee von Macht verbunden war. Und Macht ist eine typisch männliche Eigenschaft. Künstler streben danach genauso machtvoll zu werden wie ihre Auftraggeber selbst : Fürsten, Könige oder Päpste.

Frauen kamen erst später in den Kunstbetrieb. In Deutschland war das erst seit dem Beginn der Weimarer Republik der Fall. Bis dahin war es den Frauen untersagt ein Studium auf der Akademie der Künste anzufangen.(dieses Verbot wurde dann später von den Nazis wieder eingeführt !)

Kunst war früher eher ein handwerklicher Beruf, oft physisch sehr anstrengend, denkt man nur an die schwere bildhauerische Arbeit eines Michelangelos zurück.

Gibt es heutzutage dazu noch andere Ursachen?

Meist können Künstler sich meist auf längere, ununterbrochene Berufskarrieren berufen. Künstlerinnen dagegen müssen ihre Karriere oft wegen familiären Angelegenheiten (Schwangerschaft usw..) unter- brechen.

Sind Künstler sind  im hart umkämpften internationalen Kunstmarkt meist besser gerüstet, da hier oft mit harten Bandagen gekämpft werden muss? Können  sich besser verkaufen und  sie sind hartnäckiger ?

Sicher ist, sie wollen eher berühmt werden als Frauen.

Künstlerfrauen finden meist nur Anerkennung wenn sie  als Ausnahmeerscheinung angesehen werden können.

Sponsoren bevorteilen Künstler weil  sie oft das Männlich, Kreative und Erfolgreiche symbolisieren.

So liebe Kunstlehrer und Kunstlehrerinnen. Ein guter Ratschlag. Kunststudium und Kunstbetrieb braucht mehr Gleichberechtigung. Daher macht eure Sektion attraktiver für männliche Bewerber und setzt euch für Gleichberichtigung im Mudam, Casino, und anderen kulturellen Institutionen ein. Es wäre ein Schritt in die richtige Richtung. Vielen Dank.  (MAPK)



(Quellen: Emma: Artikel über die Gorilla Girls, 2016/ Interview mit SchülerInnnen der E-Sektion, LGL, 2017)

Culture

10-Fév-2017 Par

Ein ganz schwarzer Roman

Die Banken und die europäischen Institutionen haben Luxemburg verlassen. Massenarbeitslosigkeit und soziale Misere haben ihren Platz eingenommen. Belgien gibt es nicht mehr, nur noch ein Eurodistrikt in Brüssel. Rechtsextreme Bewegungen machen sich breit. Der ganz schwarze Roman, den Jean-Louis Schlesser bereits 2011 bei Editions Phi unter dem Titel „La troisième crise“ herausbrachte und der nicht dermaßen viel Aufsehen erregt hatte, wird plötzlich brandaktuell und vorausblickend.

Ein ganz schwarzer Roman

Die Banken und die europäischen Institutionen haben Luxemburg verlassen. Massenarbeitslosigkeit und soziale Misere haben ihren Platz eingenommen. Belgien gibt es nicht mehr, nur noch ein Eurodistrikt in Brüssel. Rechtsextreme Bewegungen machen sich breit. Der ganz schwarze Roman, den Jean-Louis Schlesser bereits 2011 bei Editions Phi unter dem Titel „La troisième crise“ herausbrachte und der nicht dermaßen viel Aufsehen erregt hatte, wird plötzlich brandaktuell und vorausblickend.

Die dritte Krise und das Reich der Mitte

Der Autor begründet nicht genau, was unter der dritten Krise zu verstehen ist. Listet er den Krach der Technologiewerte vom Jahr 2000 auf, der eine Kapitalzerstörung von rund 150 Milliarden $ bewirkte, dann die Finanzkrise von 2008, gefolgt von einem dritten Krach mit weitgehenden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Folgen? Jedenfalls ist der belgische Staat zusammen gebrochen. Nun träumen einige rechtsextreme Fanatiker, die sich „Registen“ nennen – wohl in Anspielung an die Rexisten von Degrelle – von einer Neuauflage des kurzlebigen Burgunderreiches im 16. Jahrhundert. Charles le Téméraire hatte ein Reich zwischen der Schweiz und der Nordsee beherrscht, das auch Belgien und Luxemburg umfasste. Nun wollen die Registen eine verkleinerte Form dieses Reiches mit der Großregion und Burgund und Luxemburg als Hauptstadt anstreben.

Schlessers Politthriller sagt eine immer größere Begrenzung der Freiheiten, eine Presse mit Maulkorb, eine Massenbewegung um eine charismatische faschistoide Figur (Becker) voraus. Der Staatsapparat ist bereits von den Registen unterwandert und lässt eine terroristische Operation der rechten Fanatiker zu, die aber diesmal viel blutiger geplant ist als die Feuerwerke der Bommeleeër. Die Absicht stimmt mit der der Bommeleeër überein: Strategie der Spannung.

Eine Fiktion mit bitterem Vorgeschmack

Ein sehr schwarzer Roman ist Schlessers Fiktion nicht im Sinne des französischen„roman noir“, wenngleich der Leser mit Morden reichlich bedient wird. Die Liebesbeziehungen sind wenig romantisch. Vielmehr sind es die düsteren Aussichten, die vorgezeichnet werden und die seit dem Erscheinen des Buches im Jahr 2011 zusätzlichen Stoff bekommen haben, inzwischen in der bitteren Realität. Die Unterwerfung des polnischen Staates unter das Regime einer rechtsnationalistischen Partei, die „Orbanisierung“ mancher osteuropäischen Länder, rechtsextreme Parteien in Frankreich, Deutschland, Belgien und den Niederlanden, Putin, Trump, Farage…

Die Eckpunkte der Realität stimmen mit dem Roman überein oder sind doch denkbar, auch das mögliche Platzen eine neuen Spekulationsblase. Der Politthriller von Jean-Louis Schlesser ist vor allem (nach)lesenswert weil eine mögliche Entwicklung der Gesellschaft vor 6 Jahren vorzeichnet wurde, die zwar so nicht eingetreten ist, deren Ingredenzen in ähnlicher Form aber durchaus. Hoffentlich werden die lokalen Postfaktuellen, Heimattümmler und Shitstormer sich nicht inspirieren. Sonst könnte sich das engstirnige Denken im Kleinstaat noch in Expansionsdrang verwandeln und wir müssten vielleicht eine U-Bootflotte in Mosel und Meuse finanzieren.

(Edition phi, isbn 978-2-87964-179-9, 19€)